Suchen Kontakt Impressum

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Institut für Phonetik und digitale Sprachverarbeitung

Startseite / Start

Institut / Institute

Mitarbeiter / Staff

Forschung / Research

Publikationen / Publications

Links

Siegel der Fakultät

Lehre



Stundenplan / Studienordnung Magister
Univis Phonetik Magister WS 2007/2008 (auslaufend)
Lehrmaterialien zu den Modulen / Teaching materials
Studienberatung / Course guidance
"Was ist Phonetik eigentlich?"



Was ist Phonetik eigentlich?




Phonetik - worum es überhaupt geht:

Das Anliegen der Phonetik ist die Erforschung aller lautlichen Aspekte der sprachlichen Kommunikation, d.h. des menschlichen Sprechens und Hörens. Sie kann dabei von vielen praktischen Fragestellungen des alltäglichen Lebens ausgehen, wie z.B.

  • Woran liegt es, daß eine bekannte Person nach wenigen Worten auch ohne Namensnennung über Telefon wiedererkannt wird? Läßt sich diese Alltagserfahrung objektivieren und systematisch zur Stimmenidentifikation in forensischem Kontext einsetzen?
  • Was kennzeichnet die regionale oder nationale Sprechweise, d.h. woran erkennt man im allgemeinen sofort den Schleswig-Holsteiner oder Bayern bzw. den Deutsch sprechenden Ausländer (oder noch genauer: den Engländer, Amerikaner, Franzosen, Italiener, Türken etc.)? Läßt sich auch hier das intuitive Wissen des "Mannes auf der Straße" systematisieren und in effektive Methoden zur Aussprachekorrektur in Mutter- und Fremdsprache umsetzen?
  • Wie prägen sich pathologische Sprechweisen der unterschiedlichsten Art (Stammeln, Poltern, Stottern, Gaumenspaltensprache etc.) lautlich und stimmlich aus? Welche Möglichkeiten der phonetischen Korrektur gibt es?
  • Warum haben Gehörlose so große Schwierigkeiten in Laut- und Stimmbildung, und warum sind sie so schwer zu verstehen?
  • Welches sind die Beziehungen zwischen Laut und Schrift, wie wird letztere produktiv und rezeptiv erworben, und welche Probleme treten dabei auf (Legasthenie)?
  • Wie drücken sich vorübergehende oder lang anhaltende psychische Zustände (Emotionen, Erregung, Depression etc.) im Sprechen aus? An welchen lautlichen und stimmlichen Auffälligkeiten kann man sie diagnostizieren?
  • Wie werden Einstellungen zwischen Gesprächspartnern lautlich und stimmlich signalisiert? Oft beruht ja die Wirkung, die ein Sprecher auf seine Umgebung ausübt, nicht auf dem, was er sagt, sondern wie er es sagt: "Der Ton macht die Musik".
  • Läßt sich die Fähigkeit des Menschen, eine oder mehrere Sprachen zu sprechen und zu verstehen, auch durch Automaten nachbilden? Warum klingen `sprechende Computer' noch immer wie Roboter und nicht völlig wie Menschen?

Die aufgeführten Fragen erwachsen nicht nur aus der Alltagserfahrung, sondern sind auch zentral in einer Reihe von Berufsfeldern: forensische Sachverständige, Sprecherzieher, Fremdsprachenlehrer, Sprachheilpädagogen, Logopäden, klinische Psychologen/Psychiater, Sozialpsychologen, Nachrichtentechniker und Informatiker auf dem Gebiet der Sprachverarbeitung. Dies einzelnen Berufsfelder werden weiter unten näher vorgestellt. Von Phonetikern werden Antworten auf solche Fragen erwartet. Um sie geben zu können, müssen sie wissen, wie Sprache erzeugt, übertragen und wahrgenommen wird. Folglich ergeben sich drei Teilgebiete der Phonetik:


  1. Spracherzeugung - die physiologischen Voraussetzungen (Nerven, Muskeln, Atmung) für die Artikulation von Sprachlauten und die Bewegungsabläufe der Sprechorgane;
  2. Sprachakustik - die Umsetzung solcher artikulatorischen Vorgänge in akustische Schwingungen und ihre Übertragung zum Ohr des Hörers;
  3. Sprachwahrnehmung - die Verarbeitung von Sprachsignalen durch Gehör und Gehirn des menschlichen Hörers.

Gegenstand aller drei Teilgebiete ist mithin die gesprochene Sprache. Dabei werden folgende Fragen gestellt:

  • Was haben alle Sprachen (d.h. das menschliche Sprechen schlechthin) gemeinsam? - universelle Aspekte
  • Was kennzeichnet bzw. unterscheidet einzelne Sprachen und Dialekte, wie z.B. Hochdeutsch, Niederdeutsch, Schweizerdeutsch, Chinesisch? - sprachspezifische Aspekte
  • Welche phonetischen Merkmale charakterisieren das Individuum? - sprecherspezifische Aspekte

Phonetiker beschäftigen sich demnach mit wesentlich mehr als mit der Umsetzung von Wörtern in Lautschrift. Die wissenschaftliche Disziplin "Phonetik" vereinigt qualitativ beschreibende geisteswissenschaftliche mit quantitativ messenden naturwissenschaftlichen Methoden. Sie ist interdisziplinär ausgerichtet und hat Verbindungen zu den Fächern der modernen Sprachen, der Linguistik, der Psychologie, der Informatik, der Physik, der Nachrichtentechnik, der Physiologie, der Sprachheilkunde.



Die benachbarten Fächer der Phonetik:

Aufgrund der Vielschichtigkeit des Untersuchungsobjektes 'Lautsprache' unterhält die Phonetik Beziehungen zu einer Reihe von anderen Fächern:







Anwendungen und Tätigkeitsfelder:

Ein genau abgestecktes Berufsbild Phonetiker/In gibt es nicht, aber es gibt eine Vielfalt von möglichen Tätigkeiten:

Beschreibung von Sprachen

Systematische Analyse der Lautstruktur von Sprachen; Lautschrift (IPA) in den Wörterbüchern; Aussprachewörterbücher; elektronische Wörterbücher mit akustischer Ausgabe; Entwicklung von Schriftsystemen und Transliteration.

Sprachtechnologie

Interaktion zwischen Mensch und Maschine durch gesprochene Sprache:
  • Sprachsynthese (sprechende Maschinen)
  • Automatische Spracherkennung (hörende Maschinen)
  • Sprecherkennung und Identifizierung
Störschalltechnik; Ausfilterung von Störschall als Vorstufe für Spracherkennung.

Unterricht

Ausspracheunterricht im Fremdsprachenerwerb, in der Gehörlosenpädagogik und in der Logopädie.

Sprachtherapie

Wissenschaftliche Unterstützung von Sprachtherapeuten, Logopäden, Klinischen Linguisten, Phoniatern und Entwicklung entsprechener Geräte.

Forensische Phonetik

Identifizierung von Sprechern bei kriminellen Akten anhand von Stimm- und Spracheigenschaften.



Was macht man im Studium der Phonetik?

Wie die meisten Studiengänge gliedert man das Studium in einen "ersten Studienabschnitt" (auch Grundstudium), den man mit der Zwischenprüfung abschließt, und einen "zweiten Studienabschnitt" (auch Hauptstudium), der mit der Magisterprüfung beendet wird.
Im Grundstudium geht es darum, die Grundlagen des Faches kennen zu lernen und sich mit den Geflogenheiten des wissenschaftlichen Arbeitens vertraut zu machen. Im Hauptstudium werden die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten weiter vertieft und in selbstständigen Arbeiten angewendet.


  • Hören und Artikulieren

    Es ist klar, daß es in den Sprachen und Dialekten der Welt eine Vielzahl an Lauten gibt, die in einzelnen, insbesondere bekannten europäischen Sprachen nicht immer vorkommen. Im Studium wird das Gehör so trainiert, daß man mit der Zeit imstande ist, die unterschiedlichsten Laute und lautlichen Nuancen der Sprachen der Welt herauszuhören, zu produzieren, zu beschreiben und Symbolen zuzuordnen (Transkribieren). Dazu dienen die Artikulations- , Transkriptions- und Hörübungen (ATH).


  • Beschreiben

    Um einen ersten und allgemeinen Überblick über den Inhalt und die Methoden der Phonetik zu erhalten, gibt es Einführungsvorlesungen und Praktika zu den verschiedenen Teilgebieten der Phonetik (Produktion, Akustik, Perzeption). In verschiedenen Seminaren werden Einzelthemen der Phonetik vertieft. Unerläßlich für die Arbeit ist das Lesen der Fachliteratur, die zum Teil auf Deutsch, in der Regel jedoch auf Englisch geschrieben ist.


  • Instrumentell arbeiten, Experimente durchführen

    In den verschiedenen Praktika wird gezeigt, wie man instrumentell gestützt phonetisch arbeitet und Experimente durchführt. Hierbei kommen Kenntnisse der Phonetik und der digitalen Sprachverarbeitung zum Einsatz. Diese Experimente dienen dazu, Fragestellungen zu überprüfen. Ein jedes Experiment umfaßt die Formulierung von Hypothesen, Erstellen von geeigneten Stimuli (hörbare, in der Regel gezielt manipulierte und systematisch zusammengestellte Sprachsignale), Aufnahmen, Analysen, Auswertung und Präsentation der Ergebnisse. Die Experimente werden anschließend in Arbeitsberichten zusammengefasst.


Diese Seite entstand mit freundlicher Genehmigung des Instituts für Phonetik der Universität des Saarlandes, Fachbereich 4.7
Letzte Aktualisierung: 22.09.2008
Zuständig für die Pflege dieser Seite: webmaster@ipds.uni-kiel.de, Tel. 0431-880-3318